Die Schweizer Rüstungsindustrie bleibt ein lukratives Milliardengeschäft mit erheblichen Auswirkungen auf regionale Wirtschaftszentren. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) exportierten Schweizer Unternehmen im Jahr 2025 Waffen, Munition und Sprengstoff im Wert von fast 950 Millionen Franken. Die Gesamtsumme der bewilligten Exporte nach dem Kriegsmaterialgesetz lag laut einem Rüstungsreport der Wochenzeitung «WOZ» im selben Jahr deutlich höher bei rund 2,77 Milliarden Franken.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Kantonen Zug und Luzern, in denen 21 Unternehmen in der Datenbank der «WOZ» geführt werden. Während in Luzern vor allem klassische Waffen und Munition exportiert werden, konzentrieren sich Firmen in Zug verstärkt auf Überwachungstechnologie. Die Datenbank erfasst seit 2015 sowohl Kriegsmaterial im engsten Sinn als auch Dual-Use-Güter, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können.
Einige Einträge in den Exportlisten erscheinen ungewöhnlich, wie etwa Recyclingfirmen oder spezialisierte Dienstleister. Die Moser + Alteisen Recycling AG aus Geuensee und die Bieri Alteisen AG aus Rothenburg werden beispielsweise als Exporteure von Munition gelistet. Zudem wird die Smolsys AG, eine auf Glasversiegelungen spezialisierte Firma, mit Pistolenexporten in Verbindung gebracht, wobei die Unternehmen auf Anfragen nicht reagierten.
Lorenz Naegeli vom WAV-Recherchekollektiv und Co-Autor des Reports erklärt, dass solche Einträge nicht zwingend klassische Waffenexporte bedeuten müssen. Als Beispiel dient die Loacker Swiss Recycling AG, die gebrauchte oder nicht funktionsfähige Patronenhülsen zur Weiterverarbeitung an Partner im Ausland und Schmelzwerke in der EU versendet. Die tatsächlichen Exportvolumina könnten zudem höher liegen, da rund 80 Unternehmen Generalausfuhrbewilligungen (GAB) besitzen, die Exporte in 39 Länder ohne Einzelkontrollen ermöglichen.



